Es hat etwas von dem Bild eines Straßenpredigers, der sich auf eine Obstkiste stellt und die Apokalypse vorhersagt. Der US-amerikanische Regisseur Michael Moore hat eine Botschaft für uns. Trump wird den Wahlkampf gewinnen. Dieser „ignorante, gefährliche Teilzeit-Clown und Vollzeit-Soziopath wird unser nächster Präsident“, schrieb Moore kürzlich auf seiner Website michaelmoore.com.

Die digitale Menge – alias Twitterer und konventionelle Medien – schart sich um Moore, der hierzulande vor allem mit seinen preisgekrönten, provokanten Dokus wie „Bowling for Columbine“ und „Fahrenheit 9/11“ bekannt wurde. Die meisten loben ihn für seine analytischen Fähigkeiten, andere befürchten, dass gerade diese unter der Scharfzüngigkeit leiden.

Moore ist kein neutraler Beobachter, und er tut auch nicht so. Er ist ein klarer Trump-Gegner. Aber seine Gedanken und Fragestellungen sind nicht nur für Gleichgesinnte nützlich, sondern taugen, um diesen und andere Wahlkämpfe aus einer frischen Perspektive zu sehen. Er nennt fünf Gründe dafür, dass Trump die Wahl gewinnen könnte:

Grund Nummer 1: …heißt im Kern vor allem: Anti-Elitarismus. Indem er sich strategisch neue Wahlkreise, politische Positionen und soziale Milieus zunutze macht und sich dabei auf die vier von der Demokratischen Partei dominierten Staaten Michigan, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin konzentriert, könne Trump gewinnen. Hier gebe es mehrheitlich republikanische Gouverneure, weniger TTIP-Anhänger und eine abrutschende, enttäuschte Mitteklasse, die bereit sei, denjenigen zu wählen, der dem mutmaßlich für ihr Elend verantwortlichen politischen System eins auswischt.

Grund Nummer 2: Die wütenden, weißen Männer sähen es nicht ein, eine Frau zu wählen. Das liege nicht allein am Sexismus, sondern auch an der Ablehnung von neueren Gender-Debatten und dem Wunsch nach altbekannten Führungsmustern.

Grund Nummer 3: Ein geeigneter Gegenspieler fehle. Hillary sei recht unbeliebt, stehe für eine Politik der alten Schule und gelte einer Studie zufolge als unehrlich (was wiederum Grund Nummer 1 zuspielt).

Grund Nummer 4: Die Trump-Gegner stünden nicht leidenschaftlich hinter einer Kandidatin. Nicht alle Sanders-Wähler wären bereit Hillary zu wählen, viele würden auch zu Nichtwählern, weil der Rückhalt und die Begeisterung für Hillary fehlten, gerade unter den jungen Leuten.

Grund Nummer 5: Die Entscheidung in der Wahlkabine selbst sei auch mal spontan, von anarchischen oder Machtgelüsten geprägt.

Im Grunde reichten Moore zufolge Fakten und Logik einfach nicht, um eine Wahl zu gewinnen. Damit stößt er in das gleiche Horn wie auch schon Quartz-Autor Vincent Hendricks Anfang Juli: „In the post-factual democracy, politicians win by getting feelings right and facts wrong.“ Auch Feindbilder, Identitäten und Ängste sind entscheidend für die Willensbildung. Die Mehrheit bestimmt, doch jeder Einzelne in ihr bestimmt souverän – bis zum Kreuz auf dem Wahlzettel. Wenn er denn eines macht.

Ein paar bpb.de-Links zum Thema Populismus:
http://www.bpb.de/politik/extremismus/rechtsextremismus/41192/was-ist-rechtspopulismus
http://www.bpb.de/apuz/75845/populismus