Asteroid im Weltall

Astronomische Rendite

Der Asteroid Psyche soll zu großen Teilen aus Metall bestehen, das sehr wertvoll ist. Warum holen wir uns das nicht einfach?

Text: Enno Schöningh
18. Dezember 2025

Gäbe es eine Goldgrube im Wert von zehn Trillionen Dollar, die Menschheit hätte sich im Kampf darum längst die Köpfe eingeschlagen. Gut also, dass es so etwas auf der Erde nicht gibt. Aber über ihr.

Psyche ist ein Asteroid. Er hat einen maximalen Durchmesser von etwa 280 Kilometern und soll bis zu zwei Dritteln aus Metall bestehen, überwiegend aus Eisen und Nickel. Das sind Rohstoffe, die zum Beispiel Smartphones und Batterien brauchen. Die Planetenforscherin Lindy Elkins-Tanton hat deshalb mal Psyches Marktwert geschätzt – und kam auf jene zehn Trillionen US-Dollar. Solche Zahlen sind reine Spekulation. Schon aufgrund seiner enormen Größe und Entfernung – zwischen 378 Millionen bis 497 Millionen Kilometer von der Erde – wäre Psyche nicht die erste Station, auf der man Ressourcen im All abbauen würde.

Eine Idee sieht stattdessen vor, kleine, erdnahe Asteroiden auf eine Umlaufbahn des Mondes zu stoßen. In der Nähe des Mondes angekommen, könnte eine Rakete Sonden zum Asteroiden fliegen, die die Rohstoffe abbauen und in hitzegeschützten Kapseln verstauen, die auf der Erde in den Ozean fallen und eingesammelt werden könnten.

Ohne Rohstoffe keine Technologie

Unternehmen nähern sich dem Weltraumbergbau unterschiedlich. Das US-Unternehmen AstroForge plant beispielsweise, winzige Raffinerien ins All zu schicken. Sie sollen Platinmetalle auf dem Asteroiden selbst gewinnen und zur Erde zurückbringen. Die britische Firma Asteroid Mining Corporation dagegen setzt eher auf die Erkundung: Sie möchte einen Roboterarm entwickeln, der sich am Asteroiden festkrallt, um Proben zu nehmen und Rohstoffe zu kartieren. Der eigentliche Bergbau, also die Gewinnung von Metallen und seltenen Erden, erfolgt dann später.

Um den Weltraumbergbau zu testen, ist der Mond gut geeignet: Er ist nah genug für Experimente und gleichzeitig weit genug weg, um neue Technologien zu erproben. Was dort gelingt – das Extrahieren von seltenen Metallen oder das Betreiben autonomer Maschinen –, könnte langfristig auf Asteroiden übertragen werden.

Allerdings dürfte es bald voller werden auf dem Mond: Die USA sowie China und Russland planen eigene Mondforschungsstationen, und Indien ist es vor zwei Jahren als erstem Land gelungen, am Südpol des Mondes zu landen. Dort könnte es riesige Wasservorkommen geben.

Der Abbau von Rohstoffen auf der Erde zerstört Landschaften, vergiftet Böden, und Minenarbeiter zählen zu den Berufsgruppen mit verkürzter Lebenserwartung. Der Gedanke, den Bergbau ins All zu verlagern, klingt verlockend: nach einer Hightech-Ökonomie, die den Planeten entlastet.

Noch wären die Kosten für den Rohstoffabbau im All astronomisch, weil es die Technologien noch nicht gibt oder sie noch nicht ausreichend erprobt sind. Aber: Spätere Routineeinsätze sind meist billiger als die ersten Missionen. Und die Raumfahrtindustrie senkt ihre Kosten allgemein, durch den großen Konkurrenzdruck und Innovationen wie wiederverwendbare Raketenteile.

Das Weltraumrecht wird umgangen

Die Aussicht auf kosmische Rohstoffe wirft eine alte Frage neu auf. Wem gehören die Ressourcen im All? Der Weltraumvertrag von 1967 besagt, dass sich kein Staat Himmelskörper aneignen darf. Der Vertrag ist völkerrechtlich bindend. Nur schien vor 50 Jahren bei Vertragsschluss zwar eine Mondlandung möglich, aber niemand hat damit gerechnet, dass man Himmelskörper auch wirtschaftlich nutzen könnte. 

Der Vertrag wurde seitdem nicht überarbeitet, und einige Staaten arbeiten heute aktiv daran, ihn zu umgehen. Zum Beispiel die USA und Luxemburg. Beide haben die Aneignung von Weltraumressourcen in nationalen Gesetzen erlaubt. Oder die 60 Staaten, die das Artemis-Abkommen unterschrieben haben, darunter die USA und Deutschland. Die Unterzeichner hielten fest, dass die Förderung von Weltraumressourcen keine nationale Aneignung gemäß dem Weltraumvertrag darstellt. Russland und China, die nicht im Artemis-Abkommen dabei sind, sehen das durchaus anders.

Diese rechtlichen Vorteile könnten den „Space Gap“ vergrößern: das Gefälle zwischen Staaten mit eigener Raumfahrt und jenen ohne. Denn im Weltraum sind zwar mehr als 80 Länder aktiv, aber nur wenige – USA, China, Russland, Indien, Japan und die europäischen Länder in der ESA – verfügen über genug Geld und Technologie, um Ambitionen wie dem Weltraumbergbau nachzugehen. Und dann sind da noch die Unternehmen, die auch ohne staatliche Aufträge losziehen ins Riesengeschäft Weltraum. Wer den Zugriff auf seltene Metalle oder die riesigen Eisen- und Nickelvorkommen im All hat, diktiert die Preise und sichert sich Macht für Jahrzehnte.

Cover Fluter Weltraum – ein Sternenhimmel, darauf in dunkelgrauer Schrift die Worte "fluter" und "Weltraum"
Dieser Artikel ist aus dem fluter „Weltraum“.
Hier geht's zum ganzen Heft.

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

Titelbild: Kolvenbach/IMAGO