Was siehst du, wenn du in den Himmel schaust?

Vom Mandalorianer zur Meteorologin, vom Astrofotografen zur Astrophysikerin: Alle sehen etwas anderes

Protokolle: Redaktion und Illustration: Animationseries2000
Thema: Bildung
18. Dezember 2025

Leon Kortmann (25), Hobby-Mandalorianer:

„Fremde Galaxien haben mich schon als Grundschüler fasziniert, vor allem ,Star Wars‘. Damals habe ich die Animationsserien gesehen. Ich finde cool, wie sich Hightech und Science-Fiction mit dieser dreckigen Hinterweltler- und Wasteland-Ästhetik mischen. Wie alles irgendwie noch analog ist, obwohl man mit Überlichtgeschwindigkeit durchs Weltall reist. Und die unendlichen Welten natürlich. Manchmal packt mich die Hoffnung, da draußen könnte irgendwo eine ähnliche Welt sein.

Seit fast zehn Jahren bin ich Mitglied in Kostümclubs, jetzt bei den Mandalorian Roughnecks, einem von Lucasfilm anerkannten ,Star Wars‘-Kostümclub. Mandalorianer sind keine Spezies, sondern ein Clan-Volk, dem sich jeder anschließen kann. Das gilt auch im Club: Wir sind zwischen 18 und 60 Jahre alt und eine echte Gemeinschaft, obwohl wir die unterschiedlichsten Lebenswege haben.

Illustrierter Mandalorianhelm

Wir treffen uns zum Basteln oder für Fotoshootings, etwa für unseren Charity-Kalender. Und wir gehen im Kostüm auf Veranstaltungen. Um zum Mandalorianer zu werden, brauche ich eine halbe Stunde. Ich ziehe einen Overall an, auf den kommen Rüstungsplatten für Torso, Knie, Schultern und Unterarme, dazu Handschuhe, den Gürtel, an dem mein Blaster hängt, und natürlich einen Helm, das Erkennungszeichen der Mandalorianer.

Unsere Kostüme sind selbst gemacht. Im Gegensatz zu anderen Figuren wie Sturmtruppler, die alle gleich aussehen, hast du als Mandalorianer Freiheiten. Ich arbeite viel mit Leder und mit Dingen, die ich im Baumarkt oder im Haushalt finde, Gießharz, Holz oder Glasfaser. Mein Helm war mal ein Skateboardhelm, die Antennen Kugelschreiber. Mein Blaster ist eine Spielzeugwaffe, die ich mit Deckeln von Cremedosen modifiziert habe.“

 

Anja Niedorf (40), Meteorologin beim Deutschen Wetterdienst / CM SAF:

„Ich schaue gerade oft nach oben: Mein kleiner Sohn freut sich, dass die Wolken jeden Tag anders aussehen. Bei klarem Nachthimmel suchen wir zusammen nach Satelliten.

Illustrierter Globus

Beruflich sehe ich im Himmel eher ein Netz aus Daten. Beim Deutschen Wetterdienst kombinieren wir die Messreihen von Satelliten, um zu analysieren, wie sich die Erdatmosphäre und die Prozesse in ihr verändern. Das sind polarumlaufende Satelliten, die um die Erde kreisen, und geostationäre, die sich mit der Erde drehen und immer dieselbe Stelle beobachten. Satelliten, die speziell über Eis- oder Wolkenoberflächen messen können, und andere, die durch die Wolken schauen, uns also physikalische Zustände der Oberfläche und Atmosphäre zeigen.

Satelliten haben für das Klimamonitoring einen unschätzbaren Vorteil: Sie geben uns globale Datensätze, anders als Wetterstationen oder Schiffe, die nur an einzelnen Punkten auf der Welt messen können.

Ich arbeite derzeit vor allem zu Niederschlag und Wasserdampf. Beim Niederschlag sehen wir, dass die Niederschlagsmenge in Deutschland im Jahresdurchschnitt einigermaßen konstant ist, der Niederschlag aber extremer wird. Das heißt: Wenn es regnet, kommt tendenziell mehr runter, und dazwischen bleibt es länger trocken. Beim Wasserdampf konnten wir zuletzt eine Zunahme feststellen: Die Temperatur der Wasseroberfläche steigt, mehr Wasser verdunstet, und damit steigt auch der Wasserdampfgehalt der Atmosphäre. Wasserdampf ist ein starkes Treibhausgas, der Trend könnte den Klimawandel also verstärken.“

 

Tim Brenneis (19), Hobby-Astrofotograf:

„Die Milchstraße habe ich zum ersten Mal mit vier Jahren gesehen. Ich habe mit meinen Eltern im Garten gezeltet. Es war eine klare Sommernacht, die Milchstraße zog sich wie ein weißes Band über den Himmel. Seitdem bin ich fasziniert vom Weltraum.

Als Kind war ich oft im Planetarium. Später habe ich Dokus über den Orionnebel angeschaut, das ist eine riesige Gas- und Staubwolke. Als ich gesehen habe, dass man die fotografieren kann, wollte ich es direkt ausprobieren. Davor dachte ich immer, so was kann nur die NASA. Ich nutze ein 8-Zoll-Newton-Spiegelteleskop und eine spezielle Astrokamera. Wichtiger ist aber die Montierung. Die ist nicht einfach nur ein Ständer für das Teleskop, die bewegt sich mit dem Himmelsobjekt, um die Erdrotation auszugleichen. Ich nutze die EQ6-R. 1.500 Euro kostet die. Dafür gingen mein Konfirmationsgeld und mein ganzes Erspartes drauf.

Illustriertes Teleskop

In der Astrofotografie gibt es zwei Varianten: Solar System oder Deep Sky. Bei Solar System fotografiert man Planeten in unserem Sonnensystem. Deep Sky ist aber spannender. Ich mache Fotos von Nebeln oder Galaxien außerhalb unseres Sonnensystems. Mein Lieblingsobjekt ist der Höhlennebel Sh2-155. Der ist etwa 2.400 Lichtjahre von der Erde entfernt und leuchtet in roten Farben.

Für die Astrofotografie habe ich mir schon einige Nächte um die Ohren geschlagen. Aber es lohnt sich. Dieser Moment, wenn man das erste Bild einer fernen Galaxie sieht, ist unbeschreiblich. Als Nächstes will ich einen Kugelsternhaufen fotografieren, eines der ältesten Objekte im Weltall.“

 

Sebastian (27), Weltraumoffizier bei der Bundeswehr:

„Als Weltraumlageoffizier sehe ich im Himmel vor allem Umlaufbahnen und technischen Fortschritt. Auch wenn der mitunter von Staaten ausgeht, die uns nicht so freundlich gegenüberstehen.

Illustriertes Abzeichen

Ich bin in die Bundeswehr eingetreten, um Luft- und Raumfahrt zu studieren. 2021 wurde das Weltraumkommando gegründet, da wollte ich unbedingt hin. Ein Großteil meiner Arbeit besteht darin, Lagebilder zu erstellen, also möglichst genaue Überblicke, wer gerade im erdnahen Weltraum unterwegs ist. Wir arbeiten im Schichtbetrieb. Und werden nie ‚fertig‘, weil Millionen Trümmerteilchen um die Erde kreisen, die mit Instrumenten kollidieren könnten, und Tausende Satelliten, deren Absicht nicht immer klar ist. Wir beobachten sie, messen Höhe, Geschwindigkeit und andere Daten, um herauszufinden, wer sie betreibt und warum.

Wir nutzen hier viel Hightech, aber ein Lagebild braucht das menschliche Urteil. Was heute als Kommunikations- oder Aufklärungssatellit zivilen Nutzen hat, kann morgen militärisch eingesetzt werden. Wir sprechen da von Dual Use: Alles kann eine Bedrohung sein. Deshalb teilen wir unsere Lagebilder mit anderen Nationen und machen regelmäßige Übungen unter Führung der U.S. Space Force. Nationen von Brasilien bis Neuseeland simulieren dabei Szenarien für den Ernstfall. Es geht immer um die Abwehr von gegnerischen militärischen Aktivitäten.

Für mich ist das ein Traumjob. In Zukunft könnte auch die Weltraumlage im Umfeld des Mondes zu unserem Auftrag gehören. Manche belächeln, dass die Bundeswehr im Weltraum agiert. Aber die wissen vermutlich nicht, wie sehr unser Alltag und unsere Handlungsfähigkeit in Krisensituationen davon abhängen, dass Satelliten ungestört die Erde umkreisen.“

 

Felicitas Mokler, Astrophysikerin und Autorin:

„Ich komme aus einer Kleinstadt, in der die Nächte damals noch so dunkel waren, dass man den Sternenhimmel besonders gut sehen konnte. Das fand ich schon als Kind ergreifend und auch etwas unheimlich. Ich wusste ja nicht, wie groß und wie weit weg das alles war.

Unser Städtchen hatte eine Sternwarte. Alle zwei Wochen gab es dort ein öffentliches Programm, da musste mein Papa dann mit mir hin. Später habe ich Physik studiert. Das Schöne an der Astrophysik ist, dass alle Bereiche der Physik gefragt sind, weil es im Universum alles gibt, die Thermodynamik von Gasen, Quantenphysik, Kernphysik und so weiter. Das Spezielle an der Astrophysik ist, dass wir nicht klassisch im Labor experimentieren, sondern nur beobachten können und diese Beobachtungen vergleichen.

Illustriertes Planetarium

Ein Ereignis, das mich besonders fasziniert hat, war, als vor zehn Jahren die Gravitationswellen nachgewiesen wurden. Die spielen in Einsteins Relativitätstheorie eine große Rolle. Man kann sich das als Schwingungen in der Raumzeit vorstellen. Die breiten sich mit Lichtgeschwindigkeit aus, und wenn sie auf Materie treffen, schwingt die ein kleines bisschen hin und her. Die Gravitationswellen direkt zu messen, war eine theoretische und technologische Hochleistung, die klargemacht hat: Unser Weltbild, alles, was wir über die Ausdehnung des Universums zu wissen glauben, hat sich bestätigt.

Die Wissenschaft hat heute so viele Spezialbereiche, dass selbst Fachleute anderer Gebiete manchmal nicht verstehen, warum etwas wichtig ist. Bis die Erkenntnis in der Gesellschaft und der Politik ankommt, dauert es dann noch mal. Deswegen muss nicht nur in die Wissenschaft selbst investiert werden, sondern auch in die Wissenschaftskommunikation.“

Cover Fluter Weltraum – ein Sternenhimmel, darauf in dunkelgrauer Schrift die Worte "fluter" und "Weltraum"
Dieser Artikel ist aus dem fluter „Weltraum“.
Hier geht's zum ganzen Heft.

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.