Screenshot aus dem Game Death Stranding 2, auf dem ein Mann ein Baby hält

Über Stock und Stein

Die Fortsetzung „Death Stranding 2: On the Beach“ wurde knapp sechs Jahre lang erwartet. Sie erzählt gleich mehrere Geschichten und ist tragisch, politisch und verwirrend

Von Martin Seng
Thema: Kultur
18. Juli 2025

Worum geht es?

Die Welt ist verloren, aber noch nicht untergegangen. Die Menschheit ist nach dem rätselhaften „Death Stranding“, der die Tore zwischen Leben und Tod geöffnet hat, unter die Erde geflohen. Einige Tote stehen als dunkle Geister – sogenannte BTs – wieder auf. Sie sind tödlich, können urplötzlich erscheinen, für die meisten unsichtbar. Und noch dazu gibt es den Regen, der alles altern lässt, was er berührt. 

In dieser mysteriösen Welt spielen wir den Kurier Sam Porter, der zwar nichts mit DPD oder Hermes zu tun hat, aber trotzdem Pakete durch diese postapokalyptische Welt transportiert. Während wir im ersten Teil von „Death Stranding“ noch die UCA (United Cities of America) durchstreiften, geht es nun nach Mexiko und Australien. Durch den Zeitregen ist auf deren Oberfläche von der menschlichen Zivilisation nicht mehr viel übrig, also vernetzen wir die in Bunkern lebenden Menschen miteinander. Damit wir vor den BTs sicher sind, tragen wir ein Baby, das Leben und Tod verbindet und uns rechtzeitig vor den Geistern warnen kann, in einem Gerät vor unserem Brustkorb. Auch für die Handlung des zweiten Teils sind die Bindung zwischen Sam und dem Kind sowie Trauer, Verlust und Überleben zentrale Themen.

Screenshot aus dem Game Death Stranding 2, auf dem ein Mann durch einen Sturm in einer apokalyptischen Welt läuft

Worum geht es wirklich?

Das ist bei dem Macher des Spiels, Hideo Kojima, schwierig zu sagen. Der 61-jährige Japaner ist dafür bekannt, in seinen Spielen philosophische Fragen aufzuwerfen und sie gleich auf mehreren Metaebenen zu diskutieren. So ist auch die Welt von „Death Stranding“ in verschiedene Ebenen geteilt und spielt in der Welt der Lebenden, der Toten und an einem surrealen Strand, wo beide aufeinandertreffen. Durch diese Fragmentierung lässt das Spiel – sicherlich bewusst – viele Lesarten zu. 

Das beginnt bereits beim Setting. Sam hat das alte Amerika erfolgreich vereint, jetzt müssen auch Mexiko und Australien Teil des Netzwerks werden. Ist das ein Kommentar zu Donald Trump, der sagt, wir sollen uns einen, statt zu spalten? Verbildlicht die aggressive Natur die Konsequenz der menschlichen Umweltzerstörung? Gleichzeitig stellt Regisseur Kojima die Isolation in den Mittelpunkt des Spiels und überträgt uns die Verantwortung, die Menschheit wieder zu verbinden. Dadurch wird „Death Stranding 2: On the Beach“ zu einem kryptischen, ambivalenten Erlebnis mit dichter Atmosphäre. 

Was machen wir im Spiel?

In erster Linie wandern wir. Oder besser gesagt: Wir transportieren Pakete mit Ressourcen von A nach B, anfangs noch zu Fuß, später auch mit motorisiertem Gefährt. Dafür müssen wir nicht nur unsere Route im Vorfeld vorsichtig planen, sondern auch die schwierigen Gegebenheiten berücksichtigen: Distanz und Steigung, Terrain und Wetter, Flüsse und Berge. Wir können unsere Ausrüstung an Hindernisse anpassen, reißende Gewässer mit Leitern überqueren und Felswände mit Seilen erklimmen. Doch wir müssen unsere Ladung im Auge behalten. Denn bei zu viel Gewicht werden wir langsam und instabil. Und fällt die Ladung einmal herunter, wird sie beschädigt oder geht ganz verloren. Das mag für manche Spielende frustrierend sein, für andere trifft es den richtigen Nerv. Wie der erste Teil von „Death Stranding“ ist auch der zweite langsam, beinahe träge. Das Spiel zwingt uns sein Tempo auf, und wir sind es, die uns anpassen müssen.

Screenshot aus dem Game Death Stranding 2 auf dem zwei Figuren sich  sich Stirn an Stirn gegenüber stehen

Wie ist die Spielwelt?

Einsam und doch faszinierend. Sam muss sich gegen Regen, Wind, Erdbeben und feindliche Landschaften behaupten, jedoch ohne sie zu bezwingen. Hin und wieder gibt es Gefechte gegen menschliche Gegner, doch spielt das kaum eine Rolle. Wenn wir über grüne Gebirgspässe geklettert sind, die Ladung mehrfach verloren, wieder geborgen, unsere Wunden verarztet haben und dann zu melancholischer Indiemusik erschöpft den Sonnenaufgang beobachten, entfaltet sich die Magie des Spiels. 

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

Bilder: KOJIMA PRODUCTIONS