Feuer und Rauchwolken in der Nähe des Dubai International Airport, rechts: Influencer Umar Punjabi in einem Infinity-Pool vor der Skyline von Dubai

Promis unter Palmen

Wer in Dubai lebt, der hat’s geschafft – so die Erzählung auf Social Media. Doch seitdem das Steuerparadies in den Krieg in Nahost verwickelt ist, bröckelt die Fassade. Polieren Influencer*innen das Image des autoritär geführten Emirats?

Von Johanna Warda
Thema: Internet
2. April 2026

„Du lebst in Dubai, hast du keine Angst?“ – „Nein, weil ich weiß, wer uns beschützt.“ 

TikToks und Reels mit dieser Botschaft und gespickt mit Videomaterial der Herrscher von Dubai sind Anfang März viral gegangen – gepostet von etlichen Influencer*innen und Reality-Sternchen, die ins Steuerparadies Dubai ausgewandert sind. 

Was viele stutzig machte: Die Message und der Aufbau all dieser Posts waren sehr ähnlich. Machten Content Creator*innen hier etwa staatlich auferlegte Pressearbeit für die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE)? Diese Vermutung ist nicht so weit hergeholt, denn wer als Content Creator*in nach Dubai – eines der sieben Emirate der VAE – auswandert, der spart sich zwar die Einkommensteuer, muss aber strengen Regeln folgen. 

Für kritischen Content gibt es harte Strafen

Creator*innen in Dubai müssen nämlich verpflichtende Influencing-Lizenzen erwerben, wenn sie auf Social Media mit Werbung Geld machen, und unterliegen dem strengen Verbot, Dubai und die Herrscherfamilie öffentlich zu kritisieren. Wer es doch tut, dem drohen Geldbußen, ein Entzug der Lizenzen, die Sperrung der Social-Media-Kanäle, Ausweisung oder sogar eine mehrjährige Haftstrafe. Welche Äußerungen genau unter „Kritik“ fallen, lässt Raum für Interpretation – was zu großer Verunsicherung führt.

Die war auch in Insta-Storys und TikToks von Influencer*innen deutlich spürbar, als Iran am 28. Februar 2026 unter anderem Dubai beschoss. Der Angriff war Teil der Eskalation im Konflikt zwischen Iran, den USA und Israel. An diesem Tag haben Israel und die USA gemeinsam Ziele in Iran bombardiert und dabei den „Obersten Führer“ Ali Chamenei getötet. Als Reaktion startete Iran noch am selben Tag Angriffe auf Israel sowie auf US-amerikanische Militärstützpunkte unter anderem in Katar, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In Dubai wurden die künstlich angelegte Insel Palm Jumeirah und der Flughafen getroffen. Zwei Luxushotels brannten. In den gesamten VAE gab es Tote und Verletzte. 

Die ersten Reaktionen der ansässigen Creator*innen waren vor allem Angst und Panik. Eine australische Creatorin filmte sich schockiert auf ihrem Balkon und sagte: „It’s not meant to be happening here“ – So was kann doch eigentlich nicht in Dubai passieren. Eine deutsche Influencerin sagte auf Instagram, sie wüsste nicht, was sie sagen dürfe und was nicht. Ähnlich äußerten sich auch Creator*innen anonym gegenüber der „Welt“, sie sprachen von Zensur. Es habe Anweisungen von Regierungsmitarbeitern gegeben, Dubai nicht in ein schlechtes Licht zu rücken. Dementsprechend änderte sich der Ton der Creator*innen schnell. Ängstliche Storys wurden gelöscht, stattdessen wurden Inhalte gepostet, die vermitteln sollten: Wir fühlen uns sicher.

Den Herrschern des Landes ist es wichtig, dass Dubai als einer der sichersten Orte der Welt wahrgenommen wird. Denn Dubai ist zwar durch Ölexporte und seine großen Häfen zu Reichtum gekommen, besitzt jedoch heute kaum mehr Ölvorräte. Ihr Verkauf macht inzwischen nur noch einen Bruchteil des Bruttoinlandsproduktes des Emirats aus. Stattdessen setzt Dubai neben Immobilienprojekten und Finanzdienstleistungen sehr stark auf Tourismus. Dafür braucht das Emirat Influencer*innen und Promis, die nach Dubai ziehen und die Werbetrommel rühren. 2025 hat das Emirat mit fast 20 Millionen Tourist*innen seinen eigenen Rekord geknackt. 

Die Ärmsten werden ausgebeutet

Dubai fühlt sich auch deswegen sicher an, weil es hohe Strafen gibt. Die drohen zum Beispiel, wenn man in der Öffentlichkeit raucht, Müll auf die Straße wirft oder auf den Boden spuckt. Auch Drogenbesitz wird hart bestraft – dafür gibt es sogar ein prominentes Beispiel aus Deutschland: Der Youtuber Simon Desue ist 2019 ausgewandert und wurde im Herbst 2025 wegen Drogenbesitzes in Dubai festgenommen. Er sitzt vermutlich weiterhin in Untersuchungshaft. Außerdem ist Homosexualität illegal und kann zu einer langen Haftstrafe führen. Unter Expats soll es trotzdem eine queere Szene geben. Ähnlich läuft es mit Prostitution: Bei der Verhaftung drohen Gefängnis und Folter, und dennoch sind Escorts in gut situierten Bubbles normal.

Influencer*innen zahlen also mit strikten Regeln für das Leben im Steuerparadies. Und sie profitieren von der Ausbeutung der ärmeren Bevölkerung, die man in manchen Fällen als moderne Sklaverei bezeichnen kann. Denn der Luxus-Lifestyle in Dubai steht auf den Schultern von Gastarbeitenden – meist aus Südasien, besonders Pakistan und Indien. Während sie in Dubai im Schnitt 175 US-Dollar monatlich verdienen, liegt das Einkommen der übrigen Bevölkerung durchschnittlich bei etwas mehr als 2.000 Dollar. 

Mithilfe des sogenannten Kafala-Systems werden Gastarbeitende ihrer Rechte beschnitten. Es sieht vor, dass Arbeitgeber*innen als Bürgen für Arbeitskräfte haften. Der Aufenthalt in Dubai ist also an den Job gebunden, Arbeitgeber*innen kontrollieren das Visum, entscheiden etwa über Jobwechsel und Ausreise – was Ausbeutung wie Lohnraub oder übermäßige Überstunden stark begünstigt. 

Gerade von Baustellen berichten Amnesty International und Human Rights Watch schon seit Jahrzehnten von heftigen Zuständen. Pässe und Löhne werden einbehalten, die Menschen schlafen in Massenunterkünften, müssen bei extremer Hitze arbeiten und haben eingeschränkten Zugang zu Trinkwasser. In den letzten Jahren wurden angeblich Reformen eingeleitet, allerdings gibt es weiterhin massive Kritik an den Zuständen für Gastarbeitende. Und gerade sie sind nun unter den Opfern der iranischen Angriffe, da sie keine Möglichkeit haben, der Arbeit fernzubleiben und Schutz zu suchen. 

Der Scheich, der seine Töchter entführen lässt

Der Mann hinter diesem System ist Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum. Er ist Herrscher des Emirats Dubai und Vizepräsident, Premierminister und Verteidigungsminister der Vereinigten Arabischen Emirate. Und er ist es, der nun in den Reels und TikToks zu sehen ist, in denen Creator*innen ihm ihr Vertrauen aussprechen. 

Dabei kam er bisher nur in wenig vertrauenerweckenden Meldungen vor: Etwa weil er zwei seiner Töchter hat kidnappen lassen. Eine der beiden, Shamsa, floh im Jahr 2000 aus einem Anwesen der Familie im Vereinigten Königreich. Sie versuchte, Asyl zu beantragen, wurde aber nach Dubai verschleppt. Seit ihrer Entführung wird sie vermutlich in Dubai festgehalten; ein Lebenszeichen hat es seitdem nicht gegeben. Die andere Tochter, Latifa, versuchte 2018 zu entkommen. In einem Video, das sie vor ihrem Fluchtversuch aufgenommen hatte, berichtete sie von einer mehrjährigen Gefangenschaft und Folter. Die Flucht scheiterte. 2021 meldete sie sich erneut in Videos zu Wort, Freund*innen gaben die Aufnahmen an die BBC weiter. Darin berichtete sie von ihrer Gefangennahme in einer Villa.

All diese Menschenrechtsverletzungen sind bekannt, doch Dubai hat sie mithilfe eines luxuriösen und fortschrittlichen Images erfolgreich in den Hintergrund treten lassen. Das wird zum Beispiel deutlich, wenn Zah1de rappt: „Mit der Fam in Dubai, ich leb’ ein Hollywood-Life.“ Wer in Dubai lebt, hat es geschafft – so die Erzählung. Sie funktioniert, weil Influencer*innen und Promis im Tausch gegen ein angenehmes Leben auf Meinungsfreiheit verzichten. 

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Titelbild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS – IMAGO / Jam Press