„Viele dieser Kinder essen jetzt nur noch einmal täglich“
Entwicklungshilfe in dreistelliger Millionenhöhe erhielt Uganda jährlich von den USA. Doch nun hat Donald Trump einen Großteil der Zahlungen eingestellt, auch an andere Länder. Wie verändert sich dadurch das Leben der Menschen vor Ort?
Sisa Matezwa lacht viel, selbst wenn sie von ihren Sorgen erzählt. Sie sitzt neben ihrer kleinen Nähstube in Kyaka II, einer Siedlung für Geflüchtete im Südwesten Ugandas. Mit ihrer Familie floh sie 2018 aus der Demokratischen Republik Kongo und baute sich in Uganda ein neues Leben auf: ein Stück Land, ein Häuschen, die Nähstube. Sie verdiente genug Geld, um ihre fünf Kinder zur Schule zu schicken. Diese Zeit, in der sie gut leben konnte, gehört nun der Vergangenheit an.
Uganda wurde mehr als 60 Jahre lang von der US-amerikanischen Behörde für Entwicklungszusammenarbeit (USAID) unterstützt. Die Mittel in Millionenhöhe wurden vor allem für Medikamente, Bildung und die Versorgung der Geflüchteten im Land genutzt. Seit 1961 leistet USAID humanitäre Hilfe, zuletzt mit einem jährlichen Gesamtbudget von 35 Milliarden Dollar in rund 130 Ländern. Seit 1962, dem Jahr der Unabhängigkeit Ugandas, auch dort. Doch mit seinem Amtsantritt im Januar 2025 ließ US-Präsident Donald Trump fast alle Zahlungen einfrieren, zunächst für 90 Tage. Im März kündigte der amerikanische Außenminister Marco Rubio dann an, 83 Prozent der USAID-Hilfsprojekte zu beenden, und im Juli stellte die Behörde ihre Arbeit ein. Verbleibende Projekte sollen vom Außenministerium weitergeführt werden.
„Trump kümmert sich lieber um sein eigenes Land“, sagt Sisa Matezwa. US-Außenminister Rubio kritisierte an USAID, dass Entwicklungsziele nur selten erreicht würden und Instabilität sich oft verschlimmert habe. Die Kürzungen passen allerdings auch gut zum allgemeinen Regierungskurs des US-Präsidenten, weg von Entwicklungszusammenarbeit mit verschiedenen Ländern und hin zu einer strikten „America First“-Strategie. Die Unterstützung der USA für Uganda belief sich zuletzt auf 635 Millionen US-Dollar pro Jahr. Eine so hohe Mittelzuteilung bekam das Land wegen seiner wichtigen Funktion für die regionale Stabilität in Ostafrika und für die dringend notwendige HIV-Bekämpfung, doch auch viele Geflüchtete wurden darüber versorgt.
Uganda hat liberale Einwanderungsgesetze, es ist leicht, ins Land zu kommen und zu bleiben. Knapp zwei Millionen Geflüchtete leben hier. Daniel Kisamo ist Settlement-Kommandeur des Kyaka II – dem Flüchtlingscamp, in dem auch Sisa Matezwa lebt. „Schon mit US-Unterstützung war es schwierig“, sagt er. Seit Februar bekämen nur noch die Bedürftigsten geringe Sozialhilfen, etwa Menschen mit Behinderung oder Schwangere. Kürzlich seien in einem Gesundheitszentrum 28 Mitarbeitende abgezogen worden, weniger Medikamente stünden zur Verfügung. „Immer häufiger hören wir von Eltern, die ihre Kinder zurücklassen.“ Auf eine Lehrkraft kämen 117 Schulkinder.
Millionen Kinder könnten weltweit sterben
Sisa Matezwa trafen die Kürzungen daher doppelt: Sie verlor ihren Job als Beraterin des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen, so wie ein Drittel des gesamten Personals des WFP im Zuge der Kürzungen. Außerdem wurden ihr die Hilfen des WFP gestrichen, das Geflüchtete mit Nahrungsmitteln und Bargeld unterstützte. So wie ihr ging es Hunderttausenden weiteren Menschen: Statt gut 1,6 Millionen Geflüchtete erhalten jetzt durch die Kürzungen bei USAID nur noch 663.000 Menschen Unterstützung.
„Viele dieser Kinder essen jetzt nur noch einmal täglich“, sagt Sisa Matezwa. Dabei deutet sie auf die Gruppe kleiner Schaulustiger, die sich an die Tür ihrer Näherei drängen. Prognosen variieren, sind aber allesamt düster. Laut einer Simulationsstudie, die im Juli in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht wurde, könnten weltweit allein 2025 schätzungsweise 690.000 Kinder unter fünf Jahren ohne die Gelder sterben, bis 2030 weitere 3,8 Millionen. Uganda bemüht sich daher um neue Gelder. Ugandas Präsident Yoweri Museveni unterzeichnete im Juli ein Abkommen mit Trump: Die USA wollen Menschen ohne gültigen Aufenthaltsstatus nach Uganda abschieben. Im August kamen die ersten Personen an. Uganda soll aus dem Deal voraussichtlich wirtschaftliche Anreize erhalten, etwa eine Lockerung von US-Zöllen auf zentrale Exportgüter und neue direkte Hilfszahlungen.
Um Matezwas Hals hängt ein gelbes Maßband. Mit Näharbeiten hält sie ihre Familie über Wasser. Doch auch ihre Ersparnisse schwinden, und ihre Zukunftsangst wächst.
Die Organisation BUDWA fördert Menschen mit Behinderung. Koordinatorin Juliet Mbambu (ganz rechts) musste nach dem Stopp der Entwicklungsgelder ihre festen Mitarbeiterinnen entlassen
Auch im Gesundheitssektor fehlt durch die Kürzungen nun Geld, es mangelt an Nahrung und Medikamenten. Klinken schließen, Infektionskrankheiten breiten sich aus. Ärztinnen und Ärzte warnen, dass etwa Ebola oder Tuberkulose wieder häufiger auftreten könnten. Auch Projekte zur Malariabekämpfung wurden eingestellt. Die von speziellen Mücken übertragene Krankheit ist, wenn schnell erkannt, gut behandelbar. Wegen des verknappten Medikamentenbestands wird sie in Zukunft vermutlich wieder für mehr Menschen tödlich verlaufen.
Als großer Erfolg der USAID galt das Projekt PEPFAR gegen HIV/Aids. In Uganda stammte mehr als die Hälfte der HIV-Mittel aus US-Fonds. Die wirksame Bekämpfung der Krankheit droht nun einzubrechen, Organisationen mussten ihre Arbeit einschränken oder ganz einstellen. Ärztinnen und Ärzte berichten von Neugeborenen, die bereits mit HIV infiziert zur Welt kommen, weil ihre infizierten Mütter keine Medikamente bekamen. Auch Sexarbeiterinnen sind noch höheren Gefahren ausgesetzt, als es ohnehin schon der Fall war.
Kein Geld mehr für die Aufforstung
Am härtesten trifft der USAID-Stopp jene, die bereits benachteiligt sind. Das spürt auch Juliet Mbambu. Sie leitet die Organisation BUDWA im Kasese-Distrikt an der Grenze zur Demokratischen Republik Kongo. BUDWA fördert Menschen mit Behinderung, vor allem Frauen und Kinder. Mbambus kräftige Stimme füllt das kleine Büro, dessen Wände Poster mit Schlagworten wie „Selbstbestimmung“, „Empowerment“ und „Nachhaltigkeit“ zieren. Mbambu selbst ist seit einer Polio-Infektion als Kind teilweise gelähmt.
Bis Februar koordinierte Mbambu das Projekt „Empowering Women for Climate Justice“ in Uganda. „Menschen mit Behinderungen sind besonders stark vom Klimawandel betroffen“, sagt sie. Bei den immer häufigeren Überschwemmungen in Uganda könnten viele nicht rechtzeitig fliehen. Innerhalb von nur sechs Monaten schulte das BUDWA-Team deshalb Frauen mit Behinderungen in Aufforstung und pflanzte mehr als 2.000 Bäume, um für den Klimaschutz und um Erdrutschen und Überschwemmungen vorzubeugen. Weil das Projekt zum Teil aus USAID-Mitteln finanziert war, musste Mbambu ihre festen Mitarbeiterinnen im Februar entlassen, den Plan von einem Damm am Fluss Nyamamba auf Eis legen und die Pflanzung weiterer Setzlinge stoppen.
Aufgeben möchte sie aber nicht. Gemeinsam mit den Umweltbeauftragten des Distrikts sucht sie nun nach neuen Geldgebern und entwickelt lokale Strategien. „Mir hat das gezeigt, dass wir uns nicht mehr so abhängig vom Ausland machen dürfen“, sagt sie. „Niemand soll mehr ohne uns über uns entscheiden.“
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Fotos: Simone Kamhuber