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„Wir müffeln nicht“

Den Müll anderer Menschen einzusammeln gilt nicht als der beliebteste Job, kann aber sehr befriedigend sein. Sascha Dornbusch (35) ist Müllwerker und erzählt, was ihn motiviert, aber auch, was ihm manchmal stinkt

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Kuscheltiere auf einem Müllwagen

fluter: Früher war für Ihren Job die Bezeichnung „Müllmann“ üblich. Ist es für Sie in Ordnung, wenn man Sie heute noch so nennt?

Sascha Dornbusch: Ich kann natürlich nicht für alle Kollegen sprechen. Aber insgesamt sind wir da nicht so empfind­lich. Die offizielle Bezeichnung ist al­lerdings „Müllwerker“ – und in meinem Fall „Kraftfahrer bei der Müllabfuhr“. Man muss auch bedenken, dass von den über 1.200 Müllabfuhr­-Einsatzkräften der Berliner Stadtreinigung (BSR) in­ zwischen 20 Frauen sind.

Was entgegnen Sie, wenn es mal abwertende Kommentare zu Ihrem Beruf gibt?

Unser Job ist leider immer noch klischee­behaftet, nach dem Motto: „Das sind komische Typen, die unangenehm rie­chen.“ Dem muss ich klar widersprechen. Wir sind ganz normale Leute, und wir müffeln auch nicht. Zum einen tragen wir Arbeitskleidung einschließlich Hand­schuhe und kommen mit dem Müll so direkt auch gar nicht in Berührung – von außen sind die Müllbehälter in der Re­gel recht sauber. Aber insgesamt ist es mit den Klischees schon viel besser ge­worden: In den Pandemiemonaten wur­de doch sehr deutlich, dass wir einen wichtigen Teil dazu beitragen, so eine Stadt am Laufen zu halten. Von vielen Menschen bekommen wir seit Corona deutlich mehr Anerkennung.

Wo und wie?

In vielen Hausfluren hingen selbstgebastelte Plakate, auf denen stand: „Schön, dass ihr da seid, und danke für eure Arbeit!“ Es kam auch der eine oder andere persönliche Kontakt zustande, wenn man gerade beim Laden war: „Super, dass ihr trotz Corona unseren Müll holt, passt auf euch auf und bleibt gesund!“ Das war ungeheu­er motivierend.

Gewöhnt man sich eigentlich an den Gestank, der manchmal aus den Tonnen kommt?

Klar gibt es Behälter, die unangenehm riechen. Aber auch das verfliegt, sobald der Behälter gekippt wird und der Müll im Fahrzeug verschwindet.

Welche Sorgen haben Sie in Ihrem Job?

Was ziemlich nervt, sind hupende und drängelnde Autos. Da muss man dann einfach Ruhe bewahren. Denn wir kön­nen mit dem großen Müllfahrzeug nicht einfach mal weg. Ich erinnere mich an ein Taxi, das zunächst wie wild hupte. Dann stieg der Fahrgast aus und brüllte mich an: Er sei Anwalt und müsse sofort durch! Ich habe zu ihm gesagt: Schön, dass Sie Anwalt sind – das ehrt Sie auch. Nur kann ich hier weder links noch rechts zur Seite fahren. Man ist ja mitt­lerweile schon tiefenentspannt, weil man weiß: Wir müssen unsere Arbeit erledi­gen – und wir müssen diese Arbeit sorg­fältig und sauber erledigen.

„Lasst uns den Müll gut trennen, denn wir haben alle was davon, wenn diese Ressourcen wei­terverwertet werden“

Wie steht es um die Sammel- und Trenndisziplin der Bürger, sind Sie mit der zufrieden?

Nach meinem Eindruck ist das in den letzten Jahren besser geworden. Gerade bei der Biotonne merkt man, dass mehr Leute ihren Müll vernünftig trennen. Immerhin haben sie dadurch ja auch eine Kostenersparnis, weil der Biobe­hälter für die Abfuhr wesentlich günstiger ist als der Restmüllbehälter. Trotz­ dem gibt es leider immer noch Fälle, wo man sofort sieht: Da wurde jetzt nicht korrekt oder überhaupt nicht getrennt. Bauschutt zum Beispiel gehört absolut nicht in die Restmülltonne – und wird dann auch nicht abgeholt!

War mal etwas in einer Tonne, über das Sie sich besonders gewundert haben?

Absurd ist, wenn Leute ganze Schränke einfach so hochkant in die Tonne stop­fen. Da macht man sich dann schon seine Gedanken: Warum landet so ein Schrank in der Tonne? Man kann ihn ja kostenlos auf dem Recyclinghof ab­ geben... Solche zweckentfremdeten Tonnen werden von uns natürlich auch nicht geleert.

Hat sich Ihr eigener Umgang mit Müll verändert, seit Sie bei der BSR arbeiten?

Wenn man jeden Tag damit zu tun hat, versteht man noch mal besonders, wie wichtig es ist, etwas Sinnvolles damit zu machen. Deshalb: Lasst uns den Müll gut trennen, denn wir haben alle was davon, wenn diese Ressourcen wei­terverwertet werden.

Weisen Sie seitdem auch im Privatleben andere Menschen zurecht, weil die den Müll nicht richtig trennen?

Lustig ist, dass mein Nachbar tatsächlich manchmal zu mir kommt und sagt: „Sa­scha, du arbeitest doch bei der BSR, wo muss ich das hier reinschmeißen?“ Dann gebe ich ihm gern ein wenig Nachhilfe.

Wie viel verdienen Sie eigentlich als Müllwerker, und sind Sie mit dieser Bezahlung zufrieden?

Als Kraftfahrer verdiene ich ja mehr als ein Müllwerker: Mit Zulage sind das rund 3.700 Euro brutto. Davon kann ich gut leben.

Titelbild: Barbara Dombrowski/laif

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

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