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Das neue K.I.Z-Album heißt „Rap über Hass“. Für unseren Autor klang das relevant und vielversprechend – bis er reingehört hat

  • 4 Min.
K.I.Z.

Sexismus hilft nicht gegen Rechtsextremismus. Das ist genauso klar wie der Fakt, dass die Berliner Rapper von K.I.Z wohl niemandem mit einer Kettensäge auflauern. Und trotzdem heißen ihre Alben „Das RapDeutschlandKettensägenMassaker“ oder „Sexismus gegen Rechts“.

Seit knapp 20 Jahren spielt die Gruppe mit Sprache, Ironiesignalen und Schockmomenten. Während Gangsterrapper wie GZUZ zu Recht für frauenfeindliche Zeilen kritisiert werden, ficken, prügeln und pöbeln sich K.I.Z wild durch ihre Texte. Gleichzeitig kooperieren sie mit der NGO Seawatch und setzen sich gegen Rassismus ein. K.I.Z haben sich als politische Agitatoren von links etabliert. Ihre harte Sprache wird von Musikkritiker*innen und Fans überwiegend als Kunstgriff gelesen – ganz nach dem Motto der aktuellen Single des Musikers Danger Dan: „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“.

Das Beste am neuen Album von K.I.Z ist leider der Titel

K.I.Z’ neues Album heißt „Rap über Hass“. Als Zuhörer*in fragt man sich da: Ist das nun ein Album, das den Hass, der zum Beispiel im Netz immer stärker zu toben scheint, unterwandert oder ihn einfach nur abbildet? Und inwiefern hält der K.I.Z-Stil den immer intensiveren Diskussionen über diskriminierungsfreie Sprache stand? Spoileralert: Das Beste am Album ist eigentlich sein Titel, der all diese Fragen aufwirft. 

 

„27 Minuten Hass auf Veranstaltung gegen Hass“, titelte die „Bild“ im September 2018 nach dem K.I.Z-Auftritt beim #wirsindmehr-Konzert in Chemnitz und kritisierte, dass die Rapper mit Zeilen wie „Ich ramme die Messerklinge in die Journalistenfresse“ fehl am Platz gewesen seien. Ähnlich entsetzt über die Botschaften der Gruppe zeigte sich die AfD und stellte eine Kleine Anfrage im Bundestag, in der sie die vermeintlichen „Hass-Texte“ von K.I.Z kritisierte. Die ersten Worte des Titelsongs von „Rap über Hass“ hat deswegen der AfD-Abgeordnete Bernd Baumann: In dem vorangestellten Ausschnitt seiner Bundestagsrede aus dem Jahr 2018 kommt er zu dem Schluss, dass die Musik von K.I.Z „deutschfeindlich“ sei. 

Der Titel des neuen Albums scheint für die Gruppe also auch eine humorvolle Reaktion zu sein: auf die Berichterstattung der „Bild“ und die Empörung der AfD.

Der Witz ist gelungen, und er hätte so viel Potenzial geboten, Songs zu veröffentlichen, die zeigen, warum der angebliche „Hass-Rap“ von K.I.Z Sinn ergibt – und wo der doppelte Boden ihrer Musik liegt, den einige nicht sehen. Stattdessen klingen die neuen K.I.Z-Songs uninspiriert. Die drastische Ausdrucksweise und der überspitzte Humor scheinen sich erschöpft zu haben. Denn der öffentliche Diskurs um die Frage, inwiefern eine sensibilisierte Sprache für gesellschaftlich benachteiligte Gruppen von Bedeutung ist, hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Es ist nun in großen Teilen der Gesellschaft anerkannt, dass Frauen, queere Menschen oder Personen mit internationalen Wurzeln auch verbal Teilhabe und Respekt einfordern. K.I.Z aber sind, so wirkt es, beim Ficken, Prügeln und Pöbeln stehen geblieben. 

Die Ironie ist herauszuhören, aber wirkungslos

Wenn Tarek rappt „Ramm’ meine Zunge zwei Meter in deine Schwulenfresse“, kommt das nicht lustig rüber, sondern daneben. Und wenn auf einem Album von drei Typen jemand ironisch über das Begrapschen von Frauen rappt, dann ist die Ironie im Falle von K.I.Z zwar herauszuhören, aber sie führt zu nichts. Es stellt sich die Frage nach dem Sinn solchen „Penis-Humors“. Die aber beantworten K.I.Z nicht. Der Sinn ihres Albums scheint nicht die große Auseinandersetzung mit politischen Themen, sondern eine maximale Livetauglichkeit auf den Post-Corona-Festivals zu sein. Es gibt Mitgrölmelodien, eine harmlose Ode an die Fans fürs gemeinsame Feuerzeug-Schwenken. Und es gibt den Song „Filmriss“, musikalisch angelehnt an den Hip-Hop-House-Hit „Stoff und Schnaps“ aus den Niederlanden (der nicht gerade frisch, sondern von 2016 ist). 

„Rap über Hass“ wirkt inhaltlich und musikalisch aus der Zeit gefallen. Die Chance auf ein kluges Statement zur Frage, wie „Rap“ und „Hass“ zusammenhängen, haben K.I.Z verpasst. Allerspätestens wenn Fans auf dem nächsten Konzert begeistert „Schwulenfresse“ mitschreien, wird die Rolle der ironischen Provokateure nicht mehr aufgehen. Hass schüren sie damit vielleicht nicht, aber sie bringen gesellschaftlich auch nichts voran. 

„Rap über Hass“ von K.I.Z erscheint bei Vertigo.

Titelbild: Philipp Gladsome / Gerngross Glowinks

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

27 Kommentare
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Frauenarzt
  ·  
27.05.2021-12:05

Leider wahr, KIZ war mal gut aber leider inzwischen belanglos und daneben

Gast
  ·  
28.05.2021-11:05

Und dein Pseudonym ist Frauenarzt? Wie der sehr, sehr gute berliner Rapper FRAUENARZT;)

TitusTittenficker
  ·  
28.05.2021-05:05

Bin leider auch enttäuscht vom Album nichts so wirkliche Knüller drauf

DeineMama
  ·  
28.05.2021-08:05

Vielleicht mal den Stock aus dem Arsch nehmen, dann macht das Album sehr viel Spaß. :^)

Hxnnxng
  ·  
28.05.2021-09:05

Lieber henning may rein

Peter deine Mutter
  ·  
28.05.2021-09:05

Wer hat diesen Mist geschrieben? Album ist beste :)

C-town
  ·  
28.05.2021-10:05

Naja,
Der Spiegel dieser Gesellschaft ist trotzdem zu finden ;)

Gast
  ·  
28.05.2021-11:05

Frei nach dem Motto "Wenn du's magst bist du cool, wenn nicht bist du ein Bastard"[KIZ]

Wer KIZ vorher nicht mochte (wie offensichtlich der Autor) wird mit diesem Album seine Meinung nicht ändern... Kennst'e Wayne?

KIZ4life
  ·  
28.05.2021-12:05

Wenn man intellektuell nicht so weit entwickelt ist, fehlt einem natürlich das Verständnis und damit das Geschick über diese Zeilen nachzudenken und in einen Kontext zu bringen. Denn die gesellschaftliche Weiterentwicklung, von der hier gesprochen wird, besteht nur bei einem Bruchteil der Menschen - die die KIZ verstehen.

fluter.de
  ·  
28.05.2021-03:05

Danke für deine Meinung. Die haben wir hier gern, Pathologisierung und Beleidigungen nicht so: Wir haben den Kommentar an gekennzeichneter Stelle ([…]) gekürzt.

ZIK
  ·  
28.05.2021-12:05

Wer hat gesagt, das KIZ die Gesellschaft voranbringen soll? WTF! Es sind Künstler und Kunst darf alles. Ich glaube, diesem Motto sind sie immer treu geblieben und werden deshalb auch von den Fans geliebt.

Deine Mama
  ·  
28.05.2021-01:05

Alter Schwede, da hat jemand aber vergessen die Kirche mal im Dorf zu lassen xD
Vielleicht geht's ja auch nur einfach darum geile Musik zu machen, die auch mal ballert? Seit wann müssen/sollen Musiker konstruktiv zur politischen Diskussion beitragen? In diesem Sinne, immer schön in die Schwulenfresse ;)

Andy Müller
  ·  
28.05.2021-01:05

Hab das Album jetzt um die 10 mal durchgehört(hab es seit Donnerstag).
Zsm mit dem Album vor ca. Einem halben Jahr muss ich sagen Hat Kiz mal wieder 2 richtig gute Alben rausgehauen.
Wenn man es mit der Musik in DE vergleicht ist es meiner Meinung nach mehrere Stufen über dem Großteil der Musik in DE.
starke Reime, geile Beatz und auch Song Ideen sind klasse.
Die Provokation mit Schwulenfresse hat auch wieder perfekt gesessen und auch weiter Zeilen.
Gibt keine Band die so gut provozieren und zugleich so gute Musik machen kann.

Daniel
  ·  
28.05.2021-02:05

Vielleicht sind Artikel wie dieser genau das, was sie wollen.
Letzter Track des Albums hören hilft.
Die Menschen brauchen kein Album, das die Welt verändern will - und ein Album kann diesem Anspruch niemals entsprechen.

Klara Himmel
  ·  
28.05.2021-02:05

Seh ich auch so. Höre seit 16 Jahren K.I.Z, aber das Album ist Müll hoch 10. Hatte echt hohe Erwartungen. Nach 6 Jahren so ne sche*** rauszuhauen. Da fehlen mir die Worte. Die anderen Alben waren doch auch alle super. 3 gute Singles diesmal, die aber vorab alle schon released wurden. Naja, die wissen schon warum. Sonst hat das Album nix zu bieten. Leider.

Bernhard Diener
  ·  
28.05.2021-08:05

Ich stimme dir komplett zu. Bin leider vom Album auch sehr enttäuscht. War nach den Releases richtig heiß aufs Album, aber da geht vllt. noch Filmriss zum betrunkenen Mitgröhlen mit den Kumpels durch und sonst nix.

Peter J.
  ·  
28.05.2021-02:05

Leben und leben lassen, ist die Devise.

Geschmack bleibt Geschmack, also wieso muss man immer alles ins negative ziehen nur weil es einem selbst nicht gefällt.
So meine ich das sie genug Leute ansprechen, also Last sie ihr Ding machen den Kunst bleibt Kunst !

Gast
  ·  
28.05.2021-03:05

Mecker, Mecker, mecker

Der kleine Jens
  ·  
28.05.2021-08:05

Haben Sie nicht verstanden was der Fan braucht?

Pramo
  ·  
28.05.2021-09:05

Wenn K.I.Z auftischt habt ihr auf zu essen!

Kiz Hater
  ·  
29.05.2021-06:05

Es ist nur ein Musikalbum.
Kiz ist nicht der Messias der die Welt mit Musik rettet.
Das sind drei Künstler die machen können was sie wollen.
Anstatt zu kritisieren lieber selber das Mic in die Hand nehmen.

Nele
  ·  
29.05.2021-10:05

Auch die ersten Alben KIZ s waren „so daneben“, Rap ist nunmal auch ohne politischen Inhalt politisch. Warum denkt ein Johann eigentlich KIZ sei dem Feuilleton oder dem Bildungsbürgertum irgendwas schuldig.
„hätte so viel Potenzial geboten, […] zeigen, warum der angebliche „Hass-Rap“ von K.I.Z Sinn ergibt – und wo der doppelte Boden ihrer Musik liegt, den einige nicht sehen.“ und „Die Chance auf ein kluges Statement“, nöö, du hast einfach nur zu viele Erwartungen an eine Subkultur. Rap ist nunmal nicht für politisch interessierte, etwas zu privilegierte Antwältinnensöhne und Ärztetöchter. Um es mit den Worten KIZ s aus einem ihrer früheren angeblich so viel politischeren Alben zu sagen: Es liegt an eurem geistigen Fassungsvermögen, wenn ihr bei KIZ nicht lacht, ihr Amöben.

KIZ ist nicht dazu da eure Wünsche zuerfüllen und euren Anforderungen gerecht zu werden, KIZ ist schon seit einer halben Ewigkeit am Start mit Alben die einfach nur absolute Provokation und ein kleines bisschen Politik sind und genau das erwartet man auch als Fan von KIZ. Wenn das Alleinstellungsmerkmal Provokoation ist, warum hofft man dann darauf, dass sie Leuten, die eh nicht ihre Zielgruppe sind, beweisen, dass es da einen doppelten Boden gibt. KIZ hat noch nie ein „kluges Statement“ gegeben, warum sollen sie jetzt aus ihrer Kunstfigur fallen und irgendwas erklären oder beweisen? Wer unbedingt etwas schlaues hinter einem Text finden will, sollte lieber Goethe lesen anstatt KIZ zu hören.
Es kommt einem vor, als hätte der Autor sich gar nicht über KIZ informiert oder würde KIZ tatsächlich nicht verstehen.
Ich als Fan freue mich sehr, endlich mal wieder ein Album voller Beleidigungen und zum Mitgrölen zu haben, endlich wieder Mukke zum Staubsaugen.

Fragt nicht, was KIZ für dich tun kann, sondern was du für KIZ tun kannst.

PS.: noch ein Tipp für die nächste Rezension: eine gute Rezension muss nicht unbedingt Kritik sein, in schweren Zeiten braucht das Volk leichte Unterhaltung. Einfach mal ohne Erwartungen rangehen und auf die Kunst einlassen.

Konstantin Parn...
  ·  
29.05.2021-11:05

Nichts für ungut, aber der Text zeigt, dass man bei einer Kritik allzu schnell fehlende Analysefähigkeit offenbart bzw. dass ein negatives Urteil auch daraus resultieren kann, dass der Gegenstand einfach nicht verstanden wird. Und da kommt man auch nicht so leicht raus mit: Das ist halt meine Meinung. – weil dafür sind hier einfach zu wenige Argumente ausgebreitet, die man bei einem Verriss einfach doppelt schuldig ist.

„Daneben“ sind K.I.Z, aber genau das macht sie ja auch aus – auch weil sie u. a. Leuten eine Stimme geben, die „neben“ dem gesellschaftlichen Diskurs existieren. Leider habe ich gerade keine Zeit, das weiter auszuführen, aber wenn es soweit ist, sage ich Bescheid.

Gut gemeinte Grüße

DasDingo
  ·  
30.05.2021-06:05

Man sollte sich das Interview mit Niko Backspin anschauen. Da sagt auch Maxim selber, sie wollen keine Vorbilder sein, wollen nicht für irgendeine Agenda stehen. Sie machen bewusst die Art von Musik. Selbst im Interview sagen sie: "Entweder man macht was altes und die Leute sagen, es ist immer das gleiche oder man macht was neues und die alten Fans sind sauer" Mit ihrem Stil bleibt K.I.Z. relevant, ob man es mag oder nicht. Man sollte sich über jeden Lustig machen können.

Optimus ich zie...
  ·  
31.05.2021-03:05

Als großer K.I.Z Fan habe ich mich sehr auf das Album gefreut. Gerade die erste Auskopplung "Rap über Hass" fand ich musikalisch Spitze und hätte ein perfektes Intro für ein vollgeladenes Album, welches aus allen Rohren feuert und den Hass rauslässt sein können.

Leider nahmen die andern Auskopplungen stetig an Qualität ab und auch die restlichen Titel enttäuschen eher. Hätten sie das Album als z. B. "Rummelbummsdisko" verkauft und beworben, wäre ich wahrscheinlich nicht so enttäuscht gewesen, aber mit dem AfD-Ausschnitt im Intro hätte ich mir mehr Ernst und wirkliche Gesellschaftskritik erhofft.

Aber auch so haben sie textlich meiner Meinung nach stark abgebaut, es gab wenig Zeilen, bei denen ich mich beim Lachen erwischt habe, die meisten wirken als Lückenfüller. Musikalisch haben sie viele verschiedene Dinge probiert, bei einigen Hooks kann ich mir nur vorstellen, wie sie Lieder von Trettmann, UFO, Nimo etc. gehört haben und gedacht haben "so was machen wir auch". Nix gegen die, aber K.I.Z war für mich immer ein abgegrenztes Subgenre im Deutschrap.

Generell scheint es mir an Konzept gefehlt zu haben, vielleicht hatte ich nach dem großartigem "Hurra die Welt geht unter" einfach zu große Erwartungen ...

joma
  ·  
09.06.2021-02:06

Die Bundeszentrale untersteht dem Innen- und Heimatminister. Das merkt man auch, wenn sie sich jugendlich gibt.