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Die Angst von damals

Die Serie „Munich Games“ erzählt von den Schrecken des Münchner Olympia-Attentats vor 50 Jahren, aber bleibt dabei ganz in der Gegenwart

  • 3 Min.
Munich Games Serie

Worum geht’s?

50 Jahre nach dem Terroranschlag ist in München ein Fußballfreundschaftsspiel zwischen einer israelischen und einer deutschen Mannschaft geplant – als Zeichen des Friedens und um an die Opfer des Olympia-Attentats 1972 zu erinnern. Wenige Tage vor dem Spiel entdeckt Oren Simon (Yousef Sweid), IT-Spezialist des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad, ein Egoshooter-Spiel im Darknet, in dem das Münchner Olympiastadion maßstabsgetreu nachgebaut ist und das befürchten lässt, es könne ein Anschlag auf die Veranstaltung dort geplant sein. Mit der LKA-Beamtin Maria Köhler (Seyneb Saleh) soll er verhindern, dass sich die Geschichte wiederholt. 

Was genau ist 1972 passiert?

Am 5. September 1972, während der Olympischen Spiele in München, nehmen palästinensische Terroristen – wie sich später herausstellte, bei der Vorbereitung unterstützt von deutschen Neonazis – die israelische Olympiamannschaft als Geiseln. Die Terrorgruppe, die sich selbst „Schwarzer September“ nennt, fordert die Freilassung von in Israel inhaftierten Palästinensern und der RAF-Terroristen Andreas Baader und Ulrike Meinhof aus deutscher Haft. Die Befreiungsaktion der Polizei scheitert, insgesamt elf Sportler, fünf Terroristen und ein Polizist werden dabei getötet. Die Olympischen Spiele werden nach einem Tag Unterbrechung fortgesetzt. Erstmals 2021 in Tokio gibt es während der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele eine Gedenkminute für die israelischen Opfer. 

Und worum geht’s außerdem in der Serie?

Um die Frage, was das Aufeinandertreffen unterschiedlicher kultureller Identitäten heute noch auslösen kann. Oren wird von einer Gruppe Jugendlicher verprügelt, nachdem sie ihn Hebräisch sprechen hören. Die Bewohner:innen des Geflüchtetencamps, in dem Marias Informant Monir (Roger Azar) gewohnt hat, werden aufgrund ihres islamischen Glaubens verdächtigt. Maria selbst bewegt sich als im Libanon geborene Christin, die einen deutschen Mann und eine Affäre mit Monir hat, zwischen den Kulturen. „Munich Games“ beschäftigt sich mit Vorurteilen, Antisemitismus und Radikalisierung – und denjenigen, die von einer gespaltenen Gesellschaft profitieren, weil sie damit Politik machen. Nicht zuletzt geht es auch um das Misstrauen, das einzelne Behörden, aber auch Nationen untereinander hegen und das letztlich allen schadet: Die schleppende Kooperation der deutschen Behörden mit den israelischen im Jahr 1972 wurde im Nachhinein kritisiert – in der Fiktion läuft es 50 Jahre später nicht viel besser.

 

Wie wird’s erzählt?

Die israelische Serienschöpferin Michal Aviram („Fauda“), die das Drehbuch mit Martin Behnke („Berlin Alexanderplatz“) geschrieben hat, und Regisseur Philipp Kadelbach („Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Parfum“) haben sich für die Darstellung der arabischen Perspektive extern beraten lassen. Besonders die Vielsprachigkeit sorgt für Authentizität: „Munich Games“ wurde auf Deutsch, Hebräisch, Arabisch und Englisch gedreht, beim Streamen kann man zwischen der Originalversion mit deutschen Untertiteln und einer synchronisierten Fassung wählen. Die Serie versucht gar nicht erst, die komplexen historischen Ereignisse aufzurollen (dafür gibt es begleitend auf Sky das Doku-Drama „1972 – Münchens schwarzer September“, in dem das Münchner Olympia-Attentat abwechselnd aus Sicht der Opfer, der Polizei und der Attentäter rekonstruiert wird). Stattdessen macht die Serie die Hilflosigkeit der einzelnen Figuren spürbar, die nicht nur an der terroristischen Bedrohung verzweifeln, sondern auch an den Vorurteilen und Vorbehalten ihrer Vorgesetzten und Kolleg:innen.

Lohnt sich das?

„Munich Games“ ist komplex und verzeiht keine Unaufmerksamkeit. Oft geht es um Details, und die vielen beteiligten Behörden und Figuren machen es manchmal schwer, den Überblick zu behalten. Viele Figuren hätte man gerne näher kennengelernt, ihre Geschichten und Motive bleiben unklar. Dennoch ist „Munich Games“ spannend und wendungsreich erzählt, sehr gut gespielt (insbesondere von der Hauptdarstellerin Saleh und Hauptdarsteller Sweid) und entwickelt schnell einen starken Sog.

„Munich Games“ läuft ab 2. September auf Sky Q und WOW, ab 4. September auf Sky One.

Titelbild: Amusement Park Film/Sky Studios

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.