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„Wir leben in einer hochkomplexen Gesellschaft“

Warum ziehen es manche Menschen vor, lieber nicht wählen zu gehen? Die Psychologin Beate Küpper hat ihre Einstellungsmuster und politischen Präferenzen untersucht

  • 5 Min.
Nichtwähler

Frau Küpper, gibt es die typische Nichtwählerin oder den typischen Nichtwähler?

Nein. Aber es gibt bestimmte Muster: Da sind die, die sporadisch nicht wählen gehen, und die, die dauerhaft nicht wählen. Sehr allgemein formuliert: Je unzufriedener die Leute sind, desto dauerhafter entscheiden sie sich, nicht wählen zu gehen.

Wie wird dauerhaftes Nichtwählen begründet?

Manche haben schlicht kein Interesse an Politik, sind sich aber gleichzeitig nicht bewusst, was alles politisch ist. Wenn es keine Vorbilder gibt, wenn Eltern und Freunde nicht wählen gehen, sprich: wenn es nicht die soziale Norm um einen herum ist, wählen zu gehen, dann ist es auch unwahrscheinlicher, dass diese Menschen selbst wählen gehen. Andere Gründe sind: das Gefühl von politischer Machtlosigkeit oder der bewusste politische Protest – also der Wahlboykott als Denkzettel. Es bleibt abzuwarten, ob sich hier auch neue Protestmilieus herausbilden, die sich im „Widerstand gegen das System“ sehen und die deshalb auch nicht wählen gehen. Kurz: Nicht wählen zu gehen kann sowohl mit Politikferne zu tun haben als auch eine sehr bewusste politische Entscheidung sein.

Sticht eine bestimmte Gruppe von Nichtwählerinnen und Nichtwählern heraus?

Überproportional häufig nicht wählen gehen Menschen aus prekären sozialen Milieus, jene mit niedriger Schulbildung, geringerem Einkommen und Berufsstatus. Wählen zu gehen ist in Deutschland sehr bildungsabhängig. Themen wie Wahlen und politische Beteiligung werden häufig in der Oberstufe der Schulen besprochen, manchmal auch in Schülerparlamenten eingeübt. Mit 18 zum ersten Mal wählen zu gehen kann dann geradezu ein Event sein: Man ist vielleicht ein bisschen aufgeregt, stolz und hat das Gefühl, nun endlich erwachsen zu sein. Wer aber mit 16 die Schule verlässt, bekommt davon oft nichts mit. Und wird sich vielleicht später nicht mehr damit auseinandersetzen.

Gibt es einen Trend bei jungen Erwachsenen, was die Wahlbeteiligung angeht?

Die Wahlbeteiligung ist insgesamt in den letzten Jahrzehnten gesunken, und Jüngere gehen generell seltener zur Wahl als Ältere. Bei der Bundestagswahl 2017 sind dann aber wieder mehr Jüngere wählen gegangen als zuvor. Die Wahlbeteiligung der unter 30-Jährigen lag bei fast 70 Prozent, insgesamt liegt sie bei 76 Prozent. Wie in fast allen Altersgruppen unter 60 Jahren gehen auch bei den Jüngeren Frauen etwas häufiger zur Wahl als Männer. Auch bei der Europawahl 2019 war die Wahlbeteiligung unter Jungen so hoch wie nie, vielleicht auch, weil Umweltschutz und der Brexit präsent waren – beides Themen, die besonders junge Menschen und ihre Zukunft betreffen. Ein Grundproblem bleibt: Demografisch gibt es doppelt so viele Wahlberechtigte ab 60 wie unter 30 Jahren. Das heißt, die Jüngeren haben tatsächlich wenig Einfluss aufs Wahlergebnis. Zumindest solange es die vielen Älteren noch gibt.

Ivan, 34 Jahre, Unternehmensberater in Frankfurt:

„Früher bin ich wählen gegangen, zuletzt vor fünf Jahren, das war bei der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Die Schnittmenge zwischen mir und den sich zur Wahl stellenden Parteien ist aber immer kleiner geworden. Heute kann ich keine Partei mehr mit gutem Gewissen unterstützen. Das kleinste Übel wählen, um ein größeres zu verhindern? Das will ich auch nicht.

Viele meiner Ansichten sind links geprägt, weshalb der Großteil der Parteien für mich grundsätzlich unwählbar erscheint. Kleinstparteien will ich auch nicht wählen, da sich das für mich wegen der Fünf-Prozent-Hürde wie eine verschenkte Stimme anfühlt. Und selbst eine gründen? Da erscheint mir der Aufwand dann doch zu groß.

Um trotzdem politisch teilhaben zu können, gehe ich auf Demos. Eine Zeit lang habe ich auch ehrenamtlich in einem Verein gearbeitet, der in Schulen geht und politisch aufklärt. Ich fände es besser, wenn die Demokratie in Deutschland direkter wäre und es mehr Volksentscheide gäbe – so wie in der Schweiz. Dann würde ich auch wieder wählen gehen.“ (sg)

Unsere Interviewpartnerinnen und -partner brachten durchweg politische Gründe fürs Nichtwählen vor. Sebastian etwa argumentiert, Themen wie Atomkraft seien so komplex, dass die Bürgerinnen und Bürger sowieso nur auf Basis von Halbwissen entscheiden würden.

Er hat recht: Die Themen sind in der Tat sehr komplex. Aber deswegen gibt es ja unter anderem die repräsentative Demokratie: damit sich gewählte Politikerinnen und Politiker hauptberuflich verschiedene Perspektiven anhören können. Man kann darüber streiten, wer eine Lobby hat und wer nicht. Aber ich würde Sebastian fragen: Wie stellt er sich das politische System sonst vor? Wir leben nun mal in einer hochkomplexen Gesellschaft und müssen die ordnen. Eben weil die Dinge kompliziert liegen, haben wir nicht eine Meinung zu allem, die man einfach abfragen kann. Wir müssen uns unsere Meinungen erst bilden. Im politischen Raum geht es ja darum, sich zunächst fundiert eine Position zu erarbeiten und dann eine Entscheidung zu treffen.

Interviewpartner Ivan würde wählen gehen, wenn es mehr direkte Demokratie gäbe.

Die Forderung an sich ist legitim und nicht per se populistisch. Man muss sich aber trotzdem genau anschauen, aus welcher Richtung sie kommt. Denn gefordert wird das auch von rechtspopulistischer Seite. „Direkte Demokratie“ passt nämlich zur Grundlogik, dass die „Eliten“ angeblich alle korrupt sind und „das Volk“ dagegen moralisch rein und dass ein einziger Führer den vermeintlichen Volkswillen erfühlt und umsetzt, ohne Vermittlung durch Zwischeninstanzen wie öffentlich-rechtliche Medien und gewählte Repräsentanz.

Die Schweiz als Musterland der direkten Demokratie hatte bei der letzten Nationalratswahl im Jahr 2019 eine Wahlbeteiligung von 45 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland gab es bei der letzten Bundestagswahl eine Wahlbeteiligung von 76 Prozent. Wie erklären Sie sich diese Diskrepanz?

Ein Grund dafür ist, dass die Menschen in der Schweiz sehr oft an die Urne gerufen werden, sowohl auf Bundesebene wie bei Entscheidungen in den Kantonen und Gemeinden. Sie mögen dann denken: In Dingen, die mir wichtig sind, habe ich schon direkt entschieden. Eine Herausforderung bei Volksentscheiden ist, dass hier hochkomplexe Themen auf ein einfaches „Ja oder Nein“ heruntergebrochen werden. Man muss sich also vorher gut informieren, um nicht einfach nur eine Bauchmeinung zu haben. Wir können sehen, dass auch die Schweizerische Volkspartei, SVP, bei Volksentscheiden der populistischen Logik folgt und Volksentscheide nicht unbedingt in erster Linie unterstützt, um zu einer guten Sachentscheidung zu gelangen, sondern auch um Stimmung zu machen. Bei der sogenannten „Ausschaffungsinitiative“, die in 2010 von der SVP zur Abstimmung gebracht und mit einer Mehrheit von 52,9 Prozent angenommen wurde, ging es um die Forderung, straffällig gewordene Ausländer sofort abzuschieben, auch wenn im Zielland Folter oder Todesstrafe drohen. Nach Ansicht der Gegenseite verstößt eine solche Forderung gegen das Völkerrecht, EU-Recht und Grundrechte. Nach jahrelangen Diskussionen im Parlament wurde schließlich eine Härtefallklausel ergänzt, um nicht gegen das Verfassungsprinzip der Verhältnismäßigkeit zu verstoßen. 

Teresa L., 27 Jahre, studiert soziale Arbeit

„Als ich begann, darüber nachzudenken, was es bedeutet, meine Stimme einer Partei zu geben, wurde mir klar: Damit legitimiere ich unser politisches System, das ich eigentlich ablehne, weil ich nicht möchte, dass wir kapitalistisch wirtschaften. Keine Partei kann mir zur Wahl stellen: Wir schauen mal, ob uns da was Besseres einfällt. Das wäre verfassungsfeindlich. Der Autor Marc-Uwe-Kling beschreibt das mit dem von ihm so genannten Tütensuppen-Totalitarismus: Ich kann wählen zwischen der Tütensuppe von Knorr und der von Nestlé. Nur was, wenn ich gar keinen Bock auf Tütensuppe habe?

Wir sollten in Diskussionen den Kapitalismus als Problemfaktor begreifen. Dass etwas schiefgeht, ist ja Konsens. Zumindest kenne ich keine Person, die das nicht so sieht, wenn Kinder verhungern. Manche versuchen, Probleme innerhalb des Systems zu lösen: wenn doch alle Müll trennen würden oder weniger Fleisch essen. Aber es gibt kein richtiges Leben im falschen. Mit so einer Meinung wird man schnell in die linksextreme Ecke gestellt. Das ist schade, ich will auch nicht im Kommunismus oder Sozialismus leben. Aber ich weigere mich anzunehmen, dass uns nichts Besseres einfällt als der Kapitalismus.“ (tm)

Warum ziehen es einige vor, gar nicht zu wählen, statt eine ungültige Stimme abzugeben? Das wäre doch auch eine Form des Protests gegen das Angebot der politischen Parteien.

Das wäre ein deutlich höherer Aufwand. Und etliche wollen nicht nur die Wahl, sondern den ganzen Prozess boykottieren. Letztendlich gibt es zudem immer nur wenige ungültige Stimmen, sodass der Protest verhallt und keine Diskussion darüber stattfindet. Die findet eher über die Nichtwähler:innen statt.

Wie überzeugt man diese Menschen vom Wählen?

Das Wählengehen an sich ist nicht automatisch demokratisch. So können Bürger:innen zum Beispiel auf Bundes- und Landesebene zum Teil die verfassungsfeindliche NPD wählen. Frühere Nichtwähler:innen entscheiden sich vergleichsweise oft für eine rechtspopulistische Partei wie die AfD, wie Analysen von Wählerwanderungen etwa von infratest dimap belegen. Bevölkerungsbefragungen wie die von uns durchgeführte Mitte-Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert Stiftung liefern zudem Hinweise darauf, dass Nichtwähler:innen im Durchschnitt fremdenfeindlicher eingestellt sind als die Wähler:innen der etablierten Parteien und es der AfD in den letzten Jahren gelungen ist, gerade die fremdenfeindlich Eingestellten unter den Nichtwähler:innen für sich zu gewinnen. Dann kann Wählen bei manchen auch Ausdruck von gerichtetem Protest sein: Ich bin mit der liberalen Demokratie und der offenen Gesellschaft nicht einverstanden.

Anders formuliert: Wie schaffen wir es, dass mehr junge Menschen ihre Stimme für eine demokratisch gesinnte Partei abgeben?

Wichtig wäre es, potenzielle Erstwähler:innen anzusprechen. Und zwar nicht nur an den Gymnasien, sondern überall, etwa auch an den berufsbildenden Schulen. Es braucht zudem Vertrauenspersonen und Vorbilder in den unterschiedlichen Milieus. Und wir müssen mehr politische Kultur lernen und einüben: Was ist eine demokratische Auseinandersetzung? Wie findet man zu einem Kompromiss, und warum kann das so langwierig sein? Die Demokratie ist so viel mehr als nur wählen zu gehen. Was helfen würde: Wenn die Stimmabgabe zum Trend wird, wie zuletzt bei der Europawahl: Man geht zur Wahl, weil es ein hart erkämpftes Recht ist und große Möglichkeiten als Bürger:in bietet, wofür viele auf der Welt dankbar wären.

Beate Küpper ist Professorin für soziale Arbeit in Gruppen und Konfliktsituationen an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. Über das Thema dieses Interviews hat sie viel geforscht und 2017 die Studie „Das Denken der Nichtwählerinnen und Nichtwähler: Einstellungsmuster und politische Präferenzen“ veröffentlicht.

Illustration: Frank Höhne

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.

10 Kommentare
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Rudolf Ott
  ·  
27.09.2021-12:09

Bei manchen der Befragten fällt ihr reduktionistisches Denken auf: "Der Kapitalismus", "der Neoliberalismus" oder "Fremdenfeindlichkeit". Solche Begriffe mal i.S. von Karl Popper zu hinterfragen, wäre hilfreich. Aber weder die ÖR noch sonstige deutsche Leitmedien liefern in diesen Fällen. Wenn, dann sind es Gesinnungen, also quasi-religiöse Einstellungen. Auf die Idee, dass der andere richtig liegen könne, wird nicht mal gedacht. Beispiel: LINKE; deren Einstellung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr halte ich für überdenkenswert. Aber sonst? Oder AfD: Bedeutet Begrenzung der Zuwanderung ist genauso bedenkenswert. Es sei denn man findet den Vorschlag von Prof. Parag Kannah, FutureMaps, gehalten bei der Alfred-Herrhausen-Stiftung gut. Gut heißt in diesem Zusammenhang: Er propagiert die Umsiedlung von Milliarden Eurasiern in Gebiete mit negativer Bevölkerungsentwicklung. Es muss erlaubt sein, diese Frage zu stellen, ohne Gefahr zu laufen, als Populist, Rechter oder NAZI klassifiziert zu werden. Denn es kommen Kulturträger als Menschen.In beiden Beispielen werden die Dimensionen bei den Parteien durchdekliniert.

Anja Kleiber
  ·  
28.09.2021-11:09

"Er propagiert die Umsiedlung von Milliarden Eurasiern in Gebiete mit negativer Bevölkerungsentwicklung. Es muss erlaubt sein, diese Frage zu stellen, ohne Gefahr zu laufen, als Populist, Rechter oder NAZI klassifiziert zu werden." Bin jetzt beim spontan googeln auf kein konkretes Ergebnis gestoßen, wie das denn aussehen soll. Aber "Milliarden" Menschen "umzusiedeln" klingt halt weder rechtsstaatlich noch demokratisch noch praktikabel. Sondern eher nach Sci-Fi Dystopie. Wahrscheinlich meint er repatriation (https://en.wikipedia.org/wiki/Repatriation)? Die kann freiwillig oder unfreiwillig sein. Im zweiten Fall ist man halt ein wasauchimmer - auf jeden Fall niemand, dem Menschlichkeit und individuelle Schicksale besonders am Herzen liegen. Und: Natürlich kann eine Begrenzung der Zuwanderung bedenkenswert sein. Deswegen wird das in Deutschland seit 70 Jahren gemacht, wenn es politisch opportun schien und nicht, weil weniger Menschen Schutz oder Perspektiven such(t)en (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/28347/umfrage/zuwanderung...). Darf man ja in Ordnung finden (Nein dann ist man kein Nazi), aber so tun als würde das nicht genauso passieren und man müsste da mal drüber nachdenken und gut, dass das die AfD mal tut, das ist einfach an der Realität vorbei. In diesem Fall ist dann auch auch nix mit "Dimensionen durchklinieren", sondern man hat einfach eine falsche Vorstellung, wie die Welt beschaffen ist und was für Politik eigentlich gemacht wird. Wie gesagt, darf man ruhig als politische Position vertreten, aber dann muss man auch so ehrlich sein und anerkennen, dass hier schon einiges in diesem Sinne passiert. Das nicht zu sehen, ist dann nämlich ein ebenfalls sehr anschauliches Beispiel für reduktionistisches Denken. Und was das öde Medienbashing (natürlich darf und soll man die kritisieren, in manchen Fällen überwiegen wirtschaftliche Interessen mittlerweile journalistische Standards, weil entweder richtig Geld verdient werden soll oder es ums nackte Überleben geht), aber dieses ÖR-Bashing nervt echt. Würde zum Beispiel das mal empfehlen, um ein paar Grundbegriffe zu hinterfragen. Von unser aller Beiträge. Frei abrufbar. Von den ÖRR. Verrückt. https://www.arte.tv/de/videos/083305-001-A/arbeit-lohn-profit-arbeit/

eine frustriert...
  ·  
28.09.2021-10:09

Meine Erfahrung der letzten 40 Jahre: Egal, welcher Partei man seine Stimme schenkt - danach hat man übrigens keine Stimme mehr - man bekommt eine wirtschaftshörige Regierung, bis auf wenige Ausnahmen CDU-geführt.
Was vor der Wahl großspurig angekündigt wurde, wird sofort danach vergessen, Hauptsache, man ist an der Macht.
Intransparentes Hinterzimmergeklüngel, Millionen schwere Korruption, schamlose Nebeneinkünfte (in der Privatwirtschaft wären diese ein 'Conflict of Interest'), Verkauf der demokratischen Werte gegen privaten Vorteil und Pöstchen (gerne auch für Familienmitglieder), das ist deutsche Parteienpolitik.
Seit Schröder ist für mich auch die SPD unwählbar geworden. Acht Jahre GroKo haben das nur bestätigt.
Ich habe sehr mit mir gerungen, diesmal zur Wahl zu gehen. Ich hab es trotzdem nochmal versucht.
Sollte eine Jamaika-Koalition geben, werde ich nie wieder wählen gehen.

Gast
  ·  
28.09.2021-11:09

Ein Grund für Nichtwähler ist unser parteiendominiertes Wahlsystem. Ein System, welches darauf absieht die Parteien und den Willen zu erhalten und zu entsprechen.
Ich glaube eine Änderung zu Gunsten der Bevölkerung und zur Entmachtung der Parteien würde mehr zu Wahl bringen.
z.B:
1. Sowohl bei Erst- als auch bei Zeitstimme steht als erster Wahlvorschlag: "keiner von denen". Die hier abgegebenen Stimmen werden behandelt als ob Personen oder Parteien gewählt wurden. Dann bleiben eben Plätze leer. Ein deutliches Zeichen, dass die Parteien und Kandidaten den Wähler nicht verstanden haben.
2. Die gewählten Erststimmen ziehen direkt in das Parlament ein. Analog werden Sitze verplant für die "keiner von denen".
3. die restlichen Sitze werden nach der Zweitstimme besetzt. Die Berechnung erfolgt nach einem einfachen Dreisatz (Restliche Sitze / alle gültigen abgegebenen Stimmen (inklusive "keiner von denen") x erhaltene Zweitstimmen. Es gibt keine Überhangmandate. Es wird IMMER auf einen ganzen Sitzplatz abgerundet.
4. Zusätzlich zu den o.a. Sitzen werden weitere 10 % dieser Sitze durch Los aller Wahlberechtigten bestimmt. Dieses durch Los bestimmte Ehrenamt kann nur in äußerst schwerwiegenden Gründen abgelehnt werden. Jeder geloste kann nur 1 Mal ins Parlament gelost werden.
5. Die Abgeordneten sind auf das "Wohl des deutschen Volkes" zu vereidigen. Nicht das Gewissen. Viele Parlamentarier haben kein Gewissen.
6. Die Volksabstimmung wird eingeführt.
Ich denke, das würde bei der Wahlmüdigkeit helfen.

Ulrich Bayern
  ·  
28.09.2021-06:09

Finde ich eine spannende Idee mit "keinem von denen" - Als Ausdruck der Willensbildung.

Nur wenn dem so ist, dann werden mitunter ja bestimmte Regionen gar nicht abgebildet.

Wenn bestimmte Anzahl an Plätzen damit blockiert werden kann, würde das rechnerisch nicht dann bedeuten, dass kleinere Parteien dann automatisch aufgewertet werden?

Was brächte denn ein Losverfahren? V.a. unter dem Hinblick auf die Komplexität vieler Themen würde das für viele doch eine Überforderung bedeuten.

Manuel Masberg
  ·  
28.09.2021-12:09

Grundlegend halte ich persönlich unteranderem neben dem Kapitalismus, das derzeitige Parteiensystem für unzureichend evenutell sogar antidemokratisch.
Jeder Mensch wächst in unterschiedlichen sozialen und finanziellen Schichten auf. Jeder Mensch geht auch auf der Basis seiner Bildung einer anderen Tätigkeit nach. Sein Freundes- und Bekantenkreis trägt ebenfalls dazu bei, ihn auf diese oder jene Art zu prägen. Eines ist jedoch gewiss: Ein Mensch ist extrem anders gestrickt, je nachdem welche Erfahrungen er im Leben gemacht hat.
Somit auch seine Einstellungen zu vielen verschiedenen Themen. Aber, und hier ist die Krux, nicht alle Einstellungen sind in diesem zusammenhang auf einer politische Seite festgelegt. Manche ändern sich auch, weil sich das Leben des Menschn ändert. Mal ist es liberal, dann wieder ein wenig rechts gelagert, dann wieder sozialdemorkatisch. Meist sogar, zur gleichen Zeit zu verschiedenen politischen Themen.

Die Menschen werden in ihrem Sein, immer Komplexer und vielschichtiger. Ja, sie werden sogar durch die derzeitge Politik ermutigt und bestärkt, "anders" sein ist Super.
Aber im Politiksystem ist noch nicht angekommen, dass wenn sich die Menschen ändern, auch das politische System ändern muss.
Ein Parteiensystem, so wie es derzeit umgesetzt wird, wird in meinen Augen nicht zur zukunftigen Demokratie passen.

Gast
  ·  
28.09.2021-12:09

Völlig ignoriert werden hier leider Nichtwähler, die gern wählen würden, es aber nicht dürfen. Schlimm genug, dass in Deutschland geborene und ständig lebende Menschen aufgrund verschiedenster Gründe nicht die nötige deutsche Staatsbürgerschaft bekommen können. Leider gibt es aber auch Fälle, in denen Wahlberechtigte trotz aller nötigen Unterlagen einfach keinen Zutritt zum Wahllokal erhalten und Anträge auf Briefwahl grundlos abgelehnt werden. In meinem Fall führt dies dazu, dass ich mit 40 Jahren erst ein einziges Mal an einer Bundestagswahl teilnehmen konnte. Bei allen anderen Wahlen, zu denen ich berechtigt gewesen wäre - wie etwa vorgestern - wurde mir die Teilnahme verweigert. Und leider hilft einem da kein Anwalt, keine Polizei und auch sonst niemand.

Köhler
  ·  
29.09.2021-07:09

Bitte erklären Sie das einmal genauer!!!!!

Ulrich Bayern
  ·  
28.09.2021-06:09

Hallo,

wenn ich im ersten Absatz lese, dass viele Menschen aus bildungsfernen Schichten nicht wählen und dann fast nur Akademiker interviewt werden, wiederholt ihr ja auch hier die Unterrepräsentanz.

Claus Schlaberg
  ·  
28.09.2021-08:09

Warum habe ich nicht gewählt?
Ich will weiterhin vor allem aus der Kernenergienutzung raus. Also grün?
Ich will, dass das Asylrecht wenigstens in Frage gestellt wird. Also was? NPD?
Oft dachte ich an die ÖDP, die immerhin offen den Energieverbrauch überhaupt thematisiert, während alle anderen Parteien daran nicht rütteln wollen. Weniger verbrauchen ist unpopulär. Doch leider hat sich die ÖDP der Willkommenskultur nicht entzogen.
Scholz oder Laschet - das erschien mir recht belanglos.