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Lang lebe die Königin

Die Blockbuster-Fortsetzung „Black Panther: Wakanda Forever“ setzt auf ihren weiblichen Cast – und dem verstorbenen Hauptdarsteller Chadwick Boseman trotzdem ein Denkmal

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Rezension zu Black Panther: Wakanda Forever

Als nach wenigen Minuten das Logo von Marvel über die Leinwand flackert, tönt nicht die übliche Fanfare. Stattdessen: ein leiser Windhauch. Keine Sorge: „Black Panther: Wakanda Forever“ ist eine Superheld*innen-Erzählung in bester Marvel-Tradition, ein Blockbuster – und doch anders.

Der König ist tot, sein Staat Wakanda trauert. T’Challa, der Black Panther, stirbt an einer nicht näher benannten Krankheit. Selbst die herzförmige Pflanze, die ihm seine Superkräfte verleiht, konnte ihn nicht retten. Ein Jahr später ist seine Familie immer noch in tiefer Trauer. Seine Mutter, Königin Ramonda, sucht Trost im Ungefähren: Sie spüre ihren Sohn im Wind, der wie seine Hand sei, die sich gelegentlich auf ihre Schultern lege. T’Challas Schwester Shuri (Titelbild) würde ihren Schmerz am liebsten vergraben, bekommt aber kaum die Gelegenheit dazu: Andere Staaten wollen Wakanda das Vibranium abringen, die Schlüsselressource hinter der technologischen Großmacht. Und das Unterwasserreich Talocan droht mit einem Angriff. Die Welt nutzt den Moment, in dem Wakanda am verletzlichsten ist.

Frauen führen Wakanda in den Rohstoffkrieg

Einzigartig ist dieser zweite Teil der „Black Panther“-Reihe, weil er zeigt, wie seine Charaktere genauso mit einem Verlust fertig werden müssen wie Cast und Franchise selbst: Chadwick Boseman, der gefeierte T’Challa-Schauspieler aus Teil eins, verstarb im August 2020 an Krebs. Ryan Coogler, Bosemans Freund und Regisseur beider Black Panther-Filme, hat ihm ein Denkmal gesetzt. Die Windgeräusche aus dem Intro ziehen sich durch den Film als stete Erinnerung an den Verstorbenen; die Ebenen zwischen Schauspieler und Figur werden bewusst vermischt.

Bosemans Abwesenheit spiegelt sich auch anderweitig. „Wakanda Forever“ ist eher als Ensemblefilm als über eine Hauptfigur erzählt. Dabei rücken die Frauen Wakandas in den Vordergrund: Okoye, Nakia, Shuri, Ramonda und neue Charaktere stellen sich den Herausforderungen und bringen jeweils eigene Perspektiven ein. Unterstützt werden sie wieder durch die weibliche Leibgarde des Königshofes. Wenn man zwischen allen überhaupt so etwas wie eine Protagonistin ausmachen kann, ist es wohl Shuri. Sie durchlebt im Verlauf der Geschichte die Trauerphasen Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz, an denen sich auch die Dramaturgie des Films orientiert. Aus dem Comic-Relief-Charakter des ersten Teils ist eine traumatisierte, aber empathische Figur geworden, auch dank ihrer Darstellerin Letitia Wright.

„Black Panther 2“ ist ein schwermütiger Film. Und trotzdem ist, wo Marvel draufsteht, natürlich auch Spektakel drin: Die Anspielungen auf das Marvel-Universum sind so dicht gestreut wie bedeutungsschwanger. Und auch in Sachen Optik nimmt es „Black Panther 2“ spielend mit anderen Marvel-Pieces auf: Man würde der Kamera tagelang durch das nebelverhangene Wakanda oder den Unterwasserstaat Talocan folgen, auch ohne die Musik des Rapper-Ehepaars Tobe und Fat Nwigwe, die eine der Verfolgungsjagden unterhämmert, aber noch lieber mit.

Die traditionellen Großmächte sind echt zu runtergewirtschaftet, um mitzumischen

Der erste „Black Panther“ wurde 2018 mit fast ausschließlich Schwarzem Cast zu einem der erfolgreichsten Filme der Kinogeschichte. (Anm. d. Red.: Wir schreiben „Schwarz“ groß, um zu verdeutlichen, dass es keine Eigenschaft oder Hautfarbe ist, sondern eine politische Selbstbezeichnung.) Sein Einfluss war enorm. Der Film, so rühmten damals die Kritiken, soll verändert haben, wie Generationen Schwarzer Zuschauer*innen sich und ihre Zukunft in der Welt imaginieren. Er verankerte den Afrofuturismus endlich (Comics wie „Fantastic Four“ erzählten bereits in den 1960er-Jahren afrofuturistisch) im Mainstream. Der Afrofuturismus entwirft postkoloniale Zukünfte: Hier sind PoC die Held*innen, stolz auf ihr Schwarzsein und eine gedeihende Schwarze Kultur.

Auch „Black Panther 2“ ist unverkennbar afrofuturistisch inspiriert: Der Film vermengt Technologie, afrikanische Mythologie und Popkultur. Und er schreibt die Schwarze Ermächtigungsfantasie des ersten Teils konsequent fort: Nicht nur, dass Schwarze in Wakanda nie Unterdrückung erfahren haben, es ist das mächtigste und technologisch avancierteste Land der Erde. Auch Frankreich und die USA setzen viel daran, das kostbare Vibranium zu erschließen – bleiben aber ohne nennenswerte Erfolge. Die Weltgeschicke machen Wakanda und Talocan aus, eine afrikanische und eine aus der Inka-Tradition hervorgegangene Nation.

„Black Panther: Wakanda Forever“ läuft seit 9. November in den Kinos.

Titelbild: Marvel Studios/Disney

Dieser Text wurde veröffentlicht unter der Lizenz CC-BY-NC-ND-4.0-DE. Die Fotos dürfen nicht verwendet werden.